Vom Eigentum
zum Eigentun

von Lea Schmidt

Bei der zweiten »Wo lang?«-Konferenz kamen 200 Teilnehmende und Referierende zusammen, um sich über das Thema »Gemeingut Boden« auszutauschen. Die Alanus Stiftung fördert die Konferenz in der Vorbereitung und Durchführung.

Bei der zweiten »Wo lang?«-Konferenz an der Alanus Hochschule hat sich im November 2019 alles rund um das Thema Gemeingut Boden gedreht: Wem gehört der Boden? Wer nutzt und pflegt ihn? Wie ist der Zugang geregelt?

Hintergrund der Konferenz waren drängende Fragen zu Themen wie: Mangelnder Wohnraum, intransparente Eigentumsverhältnisse, Artensterben und Bodenunfruchtbarkeit durch Ackergifte, Wasserprivatisierung und vermehrt auftretende Dürreperioden – bis hin zu Lebensmittelpreisen, die nicht mehr den »wahren« Wert widerspiegeln.

200 Teilnehmer und viel Inspiration

Trotz aller Ernsthaftigkeit war es ein buntes, kreatives und freudvolles Ereignis. Drei Tage lang hat ein Team von Studierenden, Mitarbeitenden und Helfenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter eine Konferenz auf die Beine gestellt, bei der 200 Teilnehmende und Referierende zusammengekommen, sich ausgetauscht, inspiriert und gegenseitig zugehört haben. Form und Inhalt gingen Hand in Hand – es gab Hülle und Fülle.

Schon beim Betreten des Campus’war klar: Hier ist was los! Linker Hand ein Bagger, Schaufeln, Eimer und Spielregeln auf einer abgesteckten Wiesenfläche, rechter Hand der Omnibus für Direkte Demokratie, dazwischen ein Europe-Dome und dahinter das große Foyer mit Podium in Wohnzimmeratmosphäre – der zentrale Treffpunkt, um sich gemeinsam über das Erlebte und Gedachte während dieser Tage auszutauschen.

Die Zugänge der Beitragenden waren breit gefächert: philosophisch, juristisch, unternehmerisch, soziologisch, architektonisch, historisch, künstlerisch, landwirtschaftlich, anthroposophisch, direkt-demokratisch, menschlich.

Was bedeutet Erde sein?

Am Ende des ersten Tages hat der Philosoph und Biologe Andreas Weber die Frage gestellt: Was ist unser Selbstverständnis, wenn wir uns selbst als Erde verstehen? Was bedeutet Erde sein? Humus – Homo – Humanus – Humilis – in allem Lebendigen steckt ein Gegenseitigkeitszusammenhang, und darum braucht es ein »beziehungshaftes Haben«. Genau darüber hat Silke Helfrich am nächsten Tag in ihrer Einführung in die Commons (Gemeingüter) gesprochen. Es gibt keine Commons ohne Commoning, also ohne das Tun. Und so hat sich die Konferenzagenda im Wunsch nach Verstetigung in Richtung Tun bewegt: Innovationswerkstatt und Ideengarten am Sonntag. Ein Open Space, den alle Konferierenden mit persönlichen Anliegen und Ideen gefüllt haben.

Starthilfe für Konferenzideen

Und jetzt? Wo lang? Es braucht verantwortliches Handeln und Unterstützung von jedem Einzelnen. So findet man zum Beispiel auf der Crowdfunding-Plattform Betterplace.org unter dem Stichwort »Wo lang?«-Konferenz – »Gemeingut Boden« einen Spendenaufruf, der den Konferenzideen rund um das Thema Boden eine Starthilfe geben soll.

Während der Tagung hat die Clownin Dawn Nilo immer wieder mittels künstlerischer Interventionen an einen humorvollen Blick auf das eigene Ringen mit der dramatischen Situation unserer Erde erinnert. »Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein«, hatte das Programmheft Rainer Maria Rilke zitiert. Wer übernimmt den Staffelstab für die dritte »Wo lang?«-Konferenz – und was wird das Thema sein?

Geschäftsführer Dr. Thorsten Thiel im Interview mit der Bank für Sozialwirtschaft

Im Interview mit der Bank für Sozialwirtschaft berichtet Dr. Thorsten Thiel über eine besondere Bildungseinrichtung.

Alanus hat mir
geholfen fürs
Leben zu lernen

Frederic Bettini studierte bis 2017 an der Alanus Hochschule. Als Gastdozent kehrte er an die Hochschule zurück und gab Einblicke in sein Arbeitsfeld »Klimarisiken im Finanzwesen«.

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