Geschäftsführer Dr. Thorsten Thiel im Interview mit der Bank für Sozialwirtschaft

von Alanus Hochschule

Das Spektrum der Studiengänge an der Alanus Hochschule ist ungewöhnlich, ihre Philosophie ist es auch. Die Corona-Pandemie sorgt zudem für besondere Herausforderungen. Im Interview mit der in Köln ansässigen Bank für Sozialwirtschaft berichtet Dr. Thorsten Thiel, Geschäftsführer der Alanus Stiftung, über eine besondere Bildungseinrichtung vor den Toren Bonns.

Herr Dr. Thiel, was ist das Besondere an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft?

Die staatlich anerkannte Alanus Hochschule zeichnet vor allem aus, dass sie ein anspruchsvolles interdisziplinäres Bildungskonzept mit einer ganzheitlichen Ausbildung in einer für mich einzigartigen Weise kombiniert. Initiativ die Zukunft der Gesellschaft zu gestalten und dabei Achtsamkeit, umfassende Nachhaltigkeit, soziales Engagement und lebenswerte gesellschaftliche Alternativen in den Fokus von Lehre und Forschung zu stellen, das macht den besonderen Alanus-Spirit aus. Mit Standorten in der Nähe von Bonn und Mannheim bietet das Studienangebot die nicht ganz gewöhnliche Kombination der Fachrichtungen Bildende und Darstellende Kunst, Architektur, Künstlerische Therapien, Bildungs- und Erziehungswissenschaft, Wirtschaft und Philosophie.

Das Spannungsfeld aus Wissenschaft und Kunst fördert die Begegnung der Disziplinen mit fächerübergreifenden Projekten und dem Studium Generale als einem ergänzenden Bildungsangebot in den Kultur- und Geisteswissenschaften. Den Studierenden werden auf diese Weise über die jeweiligen Kerndisziplinen hinaus kreative Kompetenzen vermittelt. Die Arbeit in kleinen Lerngruppen ermöglicht eine intensive Betreuung der Studierenden und einen lebendigen Austausch mit den Dozierenden.

Ich erlebe die Alanus Hochschule als einen ganz besonderen Ort der Bildung, Begegnung und Diversität. Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft stehen in einem inspirierenden Wechselspiel zueinander und eröffnen neue Perspektiven für innovative Forschungs- und Erlebnisfelder.

Wirtschaft nachhaltig gestalten – das lehrt die Alanus Hochschule angehende BWLer. Was macht das Wirtschaftsstudium an der Alanus Hochschule aus?

Im berufsbegleitenden Masterstudiengang „BWL – Wirtschaft nachhaltig gestalten“ lernen die Studierenden flexibles Denken, um mit beruflichen und gesellschaftlichen Herausforderungen souverän umzugehen, so wie es derzeit auch die Corona-Pandemie fordert. Die Studierenden erwerben die Fähigkeit, um die Ecke zu denken und neue Wege für ein innovatives und verantwortungsvolles Wirtschaften zu gehen.

Einzigartig dabei ist die Kombination mit Modulen aus der Kunst und dem Studium Generale. Diese sind sowohl im Masterstudiengang als auch in den Bachelorstudiengängen „BWL – Wirtschaft neu denken“, „Nachhaltiges Wirtschaften“ und dem neuen Bachelorstudiengang „Wirtschaft, Gesellschaft, Innovation“ fester Bestandteil des Studiums. Durch kunstpraktische Übungen entwickeln die Studierenden ihre Persönlichkeit und ihre sozialen Kompetenzen weiter. Sie lernen, ihre Wahrnehmung zu schulen und sich in der Wirtschaft mit Kreativität und Engagement für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen einzusetzen. Das Studium Generale ermuntert und befähigt die Studierenden, sich interdisziplinär mit philosophischen und kulturellen Inhalten auseinanderzusetzen. Sie entwickeln über die fachlichen Anforderungen hinaus ihre Persönlichkeit weiter und bereiten sich mit diesem ganzheitlichen Lernansatz auf verantwortungsvolle Aufgaben in der Wirtschaft vor.

Der Masterstudiengang richtet sich übrigens auch an fachfremde Studierende, die betriebswirtschaftliche Kenntnisse erwerben möchten, und kann in Voll- und Teilzeit studiert werden.

Trotz Corona beginnt das Wintersemester 2020/21 pünktlich am 18. September. Was liegt Ihnen unter diesen Umständen besonders am Herzen?

Auch an der Alanus Hochschule sind seit Frühjahr dieses Jahres Dozierende und Studierende gezwungen, vielfach nur noch online miteinander zu kommunizieren, zu präsentieren und sich die Anwendung interaktiver Tools anzueignen. Die Umstellung ist der Hochschule in hervorragender Weise gelungen. Sie hat agil und situationskonform auf die besonderen Erfordernisse der Corona-Krise reagiert.

Nach wie vor fehlt vielen Beteiligten jedoch etwas Wesentliches, nämlich die so wichtige Präsenz. Dialogisches Lernen und ein persönlicher Austausch sind essentiell wichtig, insbesondere an einer Kunsthochschule. Gerade in den künstlerischen Disziplinen, im gestaltenden Wirken in den Ateliers der Maler*innen, Bildhauer*innen oder Architekt*innen, in den Übungsräumen der Darstellenden Künste braucht es den ganzen Menschen, seine physische Anwesenheit, die persönliche Begegnung. Die digitale Lehre findet da schnell ihre Grenzen und geht häufig zu Lasten der Subtilität, der feinen Zwischentöne und der unmittelbaren Reaktion. Dies trifft natürlich in unterschiedlichen Graden auch auf die wissenschaftlichen Disziplinen an der Alanus Hochschule zu.

Die digitale Lehre vergegenwärtigt uns fortwährend, was das eigentlich zentrale Element der universitären Lehre gerade auch an einer Kunsthochschule ist. Präsenzunterricht wieder vollumfänglich und sorgenfrei für alle Studierenden gewährleisten zu können, erhoffen wir uns daher sehr. Bis dies uneingeschränkt möglich sein wird, werden wir uns wohl noch ein wenig in Geduld üben müssen.

Mir liegt daher sehr am Herzen, dass wir diese Zeit für Lehrende, Lernende und Mitarbeitende so gestalten können, dass wir nicht unbeirrt am Krisenmodus festhalten, sondern eine maximale Anstrengung unternehmen und alle denk- und vorstellbaren Möglichkeiten nutzen, Studierende mit von Fach zu Fach situativ differenzierten, kreativen Maßnahmen in die Seminarräume, Ateliers, die Bibliothek und auf den Campus zurückzuholen. Die Gesundheit aller hat dabei natürlich immer höchste Priorität.

Die Alanus Stiftung ist Trägerin der Alanus Hochschule. Welches sind die größten Herausforderungen für die Finanzierung der gemeinnützigen Hochschule?

Um Qualität in Lehre und Betreuung, aber auch in den Service- und Infrastrukturbereichen sicherstellen zu können, ist die Alanus Hochschule in Stiftungsträgerschaft so wie nahezu alle nichtstaatlichen Hochschulen auf Studiengebühren als wesentliche Einnahmequelle angewiesen.

Erst Studierende mit ganz unterschiedlichen Biographien, der passenden Qualifikation, Motivation und einem vielversprechenden Talent aber sorgen für das besondere und typische Alanus Lern- und Bildungserlebnis. Um also einer möglichst großen Zahl an geeigneten Studieninteressierten, darunter insbesondere auch solche mit nur begrenzten finanziellen Mitteln, ein Studium an unserer Hochschule zu ermöglichen, arbeiten wir intensiv an einem weiteren Ausbau unseres Pools an Stipendiengebern und Kooperationspartnern.

Ein fortwährender Austausch und die gemeinsame Entwicklung neuer Kooperationsformate mit bestehenden Förderern und Stipendiengebern sind dabei natürlich essentiell wichtig. Wir entwickeln derzeit aber auch neue Ideen und Konzepte, um weitere Institutionen und Stiftungen bei entsprechender Passung für ein Engagement an der Alanus Hochschule zu begeistern und Stipendien oder Beihilfen zum Studium gewähren zu können. Eine solche Ansprache umfasst auch potentielle Förderer und Kooperationspartner, die von der Wirtschaft oder anderen privaten Organisationen getragen und teilweise durch öffentliche Mittel aufgestockt werden, so wie beispielsweise das Deutschlandstipendium.

Auch Im Einwerben von Drittmitteln stellen sich insbesondere für die künstlerischen Disziplinen an Hochschulen deutschlandweit ganz besondere Herausforderungen. Erst ein ausgewogener Finanzierungsmix aus Studiengebühren, staatlichen und privatwirtschaftlich generierten Drittmitteln sowie einem tragenden Förder- und Sponsoring-Konzept führt zu größerer wirtschaftlicher Stabilität und weniger Abhängigkeit von Krisen.

Was hat Sie persönlich besonders geprägt? 

Meine geisteswissenschaftliche universitäre (Aus-)Bildung. In der Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Literatur, Sprache, Kunst und Philosophie haben sich mir wertvolle Einsichten und Horizonte eröffnet, die ich im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit immer mehr erkennen und schätzen gelernt habe. Dieses stark abstrahierende und theoretische Wissen und Erlernte schließlich sinnstiftend und kreativ in die Praxis übersetzen und anwenden zu können und damit andere und sich selbst besser verstehen zu lernen, sich auf diese Weise permanent weiterzuentwickeln, und auch einmal neue Wege zu bestreiten, empfinde ich als äußerst bereichernd und wertvoll – gerade in den Bereichen Führung, Kommunikation, Organisation und Kooperation.

Ich sehe daher auch in den zukünftigen Herausforderungen der Digitalisierung eine enorme Chance und viel Potential für Geisteswissenschaftler*innen und Künstler*innen: Was Technologie nicht zu leisten vermag, erfordert den ganzen Menschen – mit allen seinen Kompetenzen und Sinnen.

Alanus Hochschule vergibt 31 Deutschlandstipendien und DAAD-Preis

235 Deutschlandstipendien wurden seit 2012 an der Alanus Hochschule vergeben. Auch die Alanus Stiftung fördert Studierende aus allen Fachbereichen.

Vom Eigentum
zum Eigentun

Bei der zweiten »Wo lang?«-Konferenz kamen 200 Teilnehmende und Referierende zusammen, um sich über das Thema »Gemeingut Boden« auszutauschen. Die Alanus Stiftung fördert die Konferenz in der Vorbereitung und Durchführung.

Orientierung
Erfahren Sie mehr über unsere Stiftung, deren Wirkung, die Menschen dahinter oder nehmen Sie Kontakt mit uns auf.